Panja Jürgens: Die Fotografin hinter „Transformations“ und „Wings of Peace“

Redaktion
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Am 8. März 1988 zeigte Panja Jürgens in der Wuppertaler Galerie Carmen von Eynern eigene Fotografien. Die knappe Notiz in der offiziellen Stadtchronik ist aufschlussreich: Ihre Arbeit mit der Kamera war bereits öffentlich sichtbar, als die Ehe mit Udo Jürgens noch bestand. Später entstanden Bildbände über New Yorker Drag Queens und ein groß angelegtes Porträtprojekt mit weißen Engelsflügeln. Dass nach ihr dennoch meist wegen Udo Jürgens gesucht wird, verdeckt einen eigenständigen künstlerischen Weg. Hinzu kommt eine Besonderheit beim Namen: Aktuelle Senderunterlagen führen sie als „Erika Meier, genannt Panja“, während ihre fotografischen Arbeiten weiterhin unter Panja Jürgens beziehungsweise Panja Jurgens katalogisiert sind.

Kurzprofil

MerkmalAngabe
Öffentlich geführt alsErika Meier, genannt Panja
Künstlerischer NamePanja Jürgens / Panja Jurgens
Geburtsjahr1939 in Künstler- und Bibliothekskatalogen; ein genaues öffentlich bestätigtes Geburtsdatum ist nicht ersichtlich
BerufFotografin; zuvor als Fotomodell beschrieben
EheUdo Jürgens, Trauung 1963, Scheidung 1989
KinderJohn und Jenny Jürgens
Bekannte Arbeiten„They Call Themselves Queens“/„Transformations“ (1996), „Wings of Peace“ (2002)

Schon 1988 hing ihre Fotografie in einer Wuppertaler Galerie

Viele Kurzbiografien setzen Panja Jürgens fast vollständig mit der langen Ehe des Entertainers gleich. Die Wuppertaler Zeitungschronik liefert einen anderen Fixpunkt: Für den 8. März 1988 verzeichnet sie eine Ausstellung von „Panja Jürgens (Fotos)“ und dem Glaskünstler Gert Schieffers in der Galerie Carmen von Eynern. Damit ist eine öffentliche fotografische Tätigkeit spätestens für die Zeit vor der Scheidung dokumentiert.

Das ist auch deshalb relevant, weil spätere Verlagsangaben kein Hobby, sondern ein breiteres Werk erkennen lassen. Der US-Verlag Abrams nennt neben den Serien „Street People“ und „Drag Queens“ Ausstellungen in Zürich, Wien, Bern, Lausanne, Paris und New York. Die einzelnen Stationen lassen sich aus dieser Verlagsbiografie nicht vollständig chronologisch rekonstruieren; sie zeigen aber, dass sich ihre Fotografie international bewegte und nicht auf das Umfeld ihres berühmten damaligen Mannes beschränkt blieb.

Aus Erika Meier wurde Panja – und der Ehename blieb an ihrem Werk hängen

Beim Namen lohnt sich Präzision. Der Bayerische Rundfunk bezeichnet die Interviewpartnerin in seinem Pressedossier zur Dokumentation „UDO!“ ausdrücklich als „Erika Meier, genannt Panja“. Auch ältere Medien beschreiben Erika Meier als früheres Fotomodell. „Panja Jürgens“ ist zugleich die Form, unter der ihre Bücher, Fotografien und Künstlerverzeichnisse auffindbar sind.

Nach einem Bericht von Gala legte sie den Nachnamen Jürgens nach der Scheidung wieder ab. Für ein heutiges Profil wäre es deshalb zu weitgehend, „Panja Jürgens“ ohne Einordnung als ihren aktuellen bürgerlichen Namen auszugeben. Als Künstler- und Suchname ist die Bezeichnung dagegen eindeutig etabliert.

Auch beim Alter ist Zurückhaltung sinnvoll. Sowohl die französische Verwertungsgesellschaft ADAGP als auch die Bibliothek des International Center of Photography in New York führen Panja Jürgens mit dem Jahrgang 1939. Einen Geburtstag mit Tag und Monat nennen diese institutionellen Einträge nicht.

Die Hochzeit war 1963 – noch vor Udo Jürgens’ größtem Durchbruch

Die offizielle Udo-Jürgens-Chronik datiert die standesamtliche Hochzeit ungewöhnlich präzise: Udo und Panja heirateten am 11. Oktober 1963 in der Münchener Mandlstraße. Im Februar 1964 kam Sohn John zur Welt, 1967 Tochter Jenny. Erst 1966 gewann Udo Jürgens mit „Merci, Chérie“ den Grand Prix Eurovision de la Chanson und schaffte damit seinen internationalen Durchbruch. Panja erlebte also nicht nur die Weltstar-Jahre, sondern bereits die beruflich deutlich unsicherere Phase davor.

Die Datierung verdient eine kurze Klarstellung, weil selbst seriöse ältere Medienseiten mitunter 1964 als Hochzeitsjahr nennen. SRF verwendete diese Angabe beispielsweise 2014. Die offizielle Nachlassbiografie nennt dagegen nicht nur 1963, sondern auch das konkrete Datum und den Ort der Trauung; Gala berichtete 2024 ebenfalls von einer Ehe von 1963 bis 1989.

Beim Kennenlernen bleiben die Quellen hingegen widersprüchlich. Die offizielle Biografie verortet die Begegnung im Frühjahr 1959 in einem Münchner Club. In der Dokumentation „UDO!“ erinnerte sich Panja laut Gala dagegen an Mai 1955. Eine künstliche Auflösung dieser Differenz wäre unseriös; fest steht, dass die Beziehung lange vor Udo Jürgens’ internationalem Durchbruch begann.

Im Sommer 1989 wurde die Ehe in Zürich geschieden. Die offizielle Chronik spricht dabei zwar von „25 Jahren Ehe“, ihre eigenen Eckdaten 1963 bis 1989 ergeben kalendarisch rund 26 Jahre. Sinnvoller ist deshalb, sich an die belegten Jahreszahlen zu halten.

„Transformations“ machte New Yorker Drag Queens zum Mittelpunkt

1996 erschien bei Edition Stemmle ein Buch, das mit der üblichen Rolle der „Prominenten-Ehefrau“ wenig zu tun hatte. Der internationale Bibliothekskatalog WorldCat führt Panja Jurgens als Fotografin von „They Call Themselves Queens: The Transformation Series“, Charles-Henri Favrod als Herausgeber und Quentin Crisp als weiteren Mitwirkenden.

Die Lili-Elbe-Bibliothek verzeichnet eine deutschsprachige Ausgabe unter dem Titel „Transformations. Die Königinnen der Nacht“ und beschreibt einen großformatigen Band mit Porträts von New Yorker Drag Queens. Jürgens dokumentierte dabei nicht nur fertige Bühnenfiguren, sondern den Prozess der Verwandlung in Bildsequenzen. Panja Jürgens steuerte Fotografien und eigene Texte bei; Texte von Quentin Crisp und dem Fotohistoriker Charles-Henri Favrod ergänzten den Band.

Die Zusammenarbeit mit Crisp reichte über das Buch hinaus. Das Quentin-Crisp-Archiv berichtet, dass Jürgens ihn als „Angel of Peace“ porträtierte und diese Aufnahmen für die Einladung zu seiner Gedenkveranstaltung verwendet wurden. Damit führt eine direkte Linie von den „Transformation“-Porträts zu einem Motiv, das in ihrem nächsten großen Buch zum bestimmenden Bild wurde: den weißen Flügeln.

Auch publizistisch beschäftigte sie sich später noch mit dem Themenfeld. Im 2006 bei Waxmann erschienenen Sammelband „Weiblich – männlich – anders?“ ist ein eigener Beitrag von Panja Jürgens unter dem Titel „Die Seele ist alles“, sagte Aristoteles verzeichnet. Der Untertitel lautet „Gedanken zum Crossdressing. Ein Plädoyer für Toleranz“.

„Wings of Peace“ porträtierte New York lange vor dem 11. September

2002 erschien „Wings of Peace“. Abrams beschreibt das Projekt als fotografischen Essay, für den unterschiedlichste New Yorker mit weißen Flügeln vor die Kamera traten: unter ihnen Feuerwehrleute, Pflegekräfte, Künstler, Veteranen, Biker, Geistliche, Kinder und Einwanderer. Entscheidend für die Einordnung ist der zeitliche Kontext: Die Aufnahmen entstanden laut Verlag lange vor den Anschlägen vom 11. September 2001. Das Friedensmotiv war also keine nachträgliche Reaktion auf 9/11.

Der Band umfasst 160 Seiten und 105 Duoton-Fotografien. Udo Lindenberg schrieb den einleitenden Text. Aus einem vergleichsweise einfachen visuellen Prinzip – Menschen, die für das Porträt weiße Flügel tragen – entstand damit ein Querschnitt durch sehr verschiedene Milieus der Stadt.

„Wings of Peace“ ist zugleich der Punkt, an dem sich die beiden bekannten Werkkomplexe verbinden. In „Transformations“ beobachtete Jürgens, wie Menschen für die Kamera eine andere Erscheinung annehmen; bei „Wings of Peace“ gab ein gemeinsames Requisit sehr unterschiedlichen New Yorkern eine vorübergehende visuelle Rolle. Das Interesse liegt in beiden Fällen weniger bei Prominenz als bei Porträt, Inszenierung und Identität.

2024 trat Panja erstmals selbst vor eine Dokumentarfilmkamera

Jahrzehntelang war sie zwar Gegenstand von Berichten über Udo Jürgens, trat aber nur selten selbst ausführlich in den Mittelpunkt. Die 2024 produzierte Dokumentation „UDO!“ änderte das. Der BR nennt Erika Meier, genannt Panja, neben den gemeinsamen Kindern Jenny und John, Udos Bruder Manfred Bockelmann und Harold Faltermeyer als Gesprächspartnerin des Films.

Nach Angaben des KNA-Mediendienstes war es sogar ihr erstes ausführliches Statement vor einer Filmkamera. Die Dokumentation von David Kunac und Sebastian Dehnhardt arbeitete zudem mit neu erschlossenem privatem Material wie Briefen, Tonaufnahmen und Privatfilmen. Panjas Perspektive bekam dadurch einen Stellenwert, den sie in vielen früheren Rückblicken nicht hatte: nicht als Randfigur eines Musikerlebens, sondern als Zeitzeugin der Jahre vor und während des Aufstiegs.

Wer nach „Panja Jürgens heute“ sucht, sollte daraus allerdings keinen aktuellen Beruf ableiten. Eine fortlaufende fotografische Tätigkeit oder eine neue Ausstellung für 2026 ist öffentlich nicht dokumentiert. Belastbar greifbar sind ihre früheren Ausstellungen und Publikationen sowie als jüngste größere Medienpräsenz die Mitwirkung an „UDO!“.

Udo Jürgens erklärt bis heute, warum ihr Name gesucht wird. Die ungewöhnlicheren Spuren ihres Lebens liegen jedoch außerhalb der Schlagergeschichte: in einer Wuppertaler Galerie schon 1988, in den Garderoben der New Yorker Drag-Szene der Neunziger und schließlich bei 105 Menschen mit weißen Flügeln auf den Straßen New Yorks.

5. Interne Linkideen

  • Udo Jürgens
  • John Jürgens
  • Jenny Jürgens
  • Manfred Bockelmann
  • Udo Lindenberg
  • Quentin Crisp
  • „Merci, Chérie“ und Udo Jürgens’ internationaler Durchbruch
  • Dokumentation „UDO!“
  • Fotografie und Drag-Kultur in New York
  • International Center of Photography

6. Recherchequellen

Primär-/offizielle Quellen

  • Offizielle Udo-Jürgens-Biografie – Kennenlernen laut Nachlasschronik, Hochzeit am 11. Oktober 1963, Geburt von John und Jenny sowie Scheidung 1989.
  • Stadt Wuppertal, Zeitungschronik – dokumentiert Panja Jürgens’ Fotoausstellung in der Galerie Carmen von Eynern am 8. März 1988.
  • ADAGP – Künstlerverzeichnis mit Panja Jurgens, Jahrgang 1939, und verwalteten Bildrechten.
  • International Center of Photography – Bibliothekseintrag „Jürgens, Panja 1939-“ und fotografischer Katalogbezug.
  • Abrams Books – bibliografische und inhaltliche Angaben zu „Wings of Peace“, zu den 105 Fotografien sowie zu Ausstellungsorten und weiteren Serien.
  • Deutsche Nationalbibliothek – Inhaltsverzeichnis des Waxmann-Sammelbands von 2006 mit Panja Jürgens’ Beitrag zum Crossdressing.
  • Bayerischer Rundfunk – Pressedossier zu „UDO!“; Namensform „Erika Meier, genannt Panja“ und ihre Rolle als Gesprächspartnerin.

Etablierte Medien

  • KNA-Mediendienst – Angaben zur Dokumentation „UDO!“ und dazu, dass Panja dort erstmals vor einer Filmkamera Stellung nahm.
  • Gala – Bericht zur Dokumentation mit Panjas eigener Erinnerung an das Kennenlernen 1955, Ehezeit 1963–1989 und Namenswechsel nach der Scheidung.
  • SRF – zeitgenössischer Überblick, der Erika Meier/Panja als früheres Fotomodell bezeichnet; zugleich Beispiel für die abweichende Hochzeitsangabe 1964.

Weitere Quellen

  • WorldCat/OCLC – bibliografischer Nachweis von „They Call Themselves Queens: The Transformation Series“ aus dem Jahr 1996 mit Panja Jurgens, Charles-Henri Favrod und Quentin Crisp.
  • Lili-Elbe-Bibliothek – Angaben zur deutschen Ausgabe „Transformations. Die Königinnen der Nacht“, zu Inhalt und fotografischem Konzept des Drag-Queen-Projekts.
  • Quentin Crisp Archives – dokumentiert Crisps Mitarbeit am Buch und Panja Jürgens’ „Angel of Peace“-Porträts für seine Gedenkveranstaltung.
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