Anja Schöne: Regisseurin, Autorin und Leiterin des LUTZ Hagen

Redaktion
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Anja Schöne ist eine deutsche Theaterregisseurin und Autorin. Seit der Spielzeit 2016/17 leitet sie das LUTZ, die Sparte für junges Publikum am Theater Hagen. Geboren wurde sie 1978 in Krefeld. Ihre Arbeit verbindet Regie und Stückentwicklung mit kultureller Bildung und partizipativen Theaterformen.

Über das Theater hinaus ist Schöne als eine der beiden Personen bekannt, die Carson Ellis’ außergewöhnliches Bilderbuch „Wazn Teez?“ gemeinsam mit Jess Jochimsen ins Deutsche übertragen haben. Das Buch wurde 2018 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Wichtig bei einer Suche nach „Anja Schöne“: Der Name ist nicht eindeutig. Neben der Theaterregisseurin finden sich beispielsweise eine Kommunikationsmanagerin, eine Ärztin und eine Maskenbildnerin gleichen Namens sowie Anja Schoene, die unter „Schoene Beratung“ als Beraterin arbeitet. Diese Personen dürfen nicht miteinander vermischt werden.

Anja Schöne im Überblick

MerkmalBelegte Angabe
NameAnja Schöne
Geburtsjahr1978
GeburtsortKrefeld
TätigkeitRegisseurin und Autorin
Aktuelle FunktionLeiterin des LUTZ am Theater Hagen
Leitung des LUTZseit der Spielzeit 2016/17
StudiumGermanistik, Anglistik sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft in Köln; Comunicación Audiovisual in Málaga
StudienabschlussMagisterexamen, 2004
Bekanntes Buchprojekt„Wazn Teez?“ mit Jess Jochimsen
Literaturauszeichnung3. Preis beim Moerser Literaturpreis 2011 für „Septembermädchen“
Aktueller Festivalbezug„Fotoalbum“ war 2026 zum WESTWIND Festival eingeladen

Die biografischen Angaben werden insbesondere durch die offizielle Vita des Theater Hagen, den Arbeitskreis für Jugendliteratur und das Preisarchiv der Moerser Gesellschaft gestützt.

Ausbildung und Einstieg ins Theater

Nach dem Abitur studierte Schöne an der Universität zu Köln Germanistik, Anglistik sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. 2004 schloss sie das Studium mit dem Magisterexamen ab. Zusätzlich studierte sie Comunicación Audiovisual an der Universidad de Málaga.

Ihre praktische Theaterarbeit begann bereits während des Studiums. Nach Angaben des Theater Hagen arbeitete sie als Dramaturgin und Regieassistentin an verschiedenen freien Theatern in Köln. Nach dem Studienabschluss wurde sie Regieassistentin am Staatstheater Stuttgart. Anschließend folgten zwei Jahre als Regieassistentin am Schlosstheater Moers. Dort setzte sie bereits fünf eigene Regiearbeiten um und beteiligte sich an Projekten der kulturellen Bildung mit Schulen.

2007 kehrte Schöne nach Köln zurück und arbeitete fortan frei als Regisseurin und Autorin. Der NordSüd Verlag nennt daneben Tätigkeiten als Theaterdozentin und Festivalleiterin.

Seit wann leitet Anja Schöne das LUTZ Hagen?

Schöne ist seit der Spielzeit 2016/17 Leiterin des LUTZ am Theater Hagen. Die Fachzeitschrift „Die Deutsche Bühne“ führt ihre Leitungstätigkeit ab August 2016; auch das Theater Hagen bestätigt die Spielzeit 2016/17 als Beginn.

Das LUTZ wurde im Jahr 2000 als eigene Sparte für junges Publikum des Hagener Stadttheaters gegründet. Sein Programm reicht von Theater für sehr junge Kinder über Stückentwicklungen und moderne Bearbeitungen bekannter Stoffe bis zu partizipativen Produktionen mit gesellschaftlichen und politischen Themen.

Schöne arbeitet dabei nicht ausschließlich als Spartenleiterin. Sie schreibt und inszeniert selbst und entwickelt Produktionen gemeinsam mit Schauspiel, Tanz, Musik, Dramaturgie und Theatervermittlung.

Theater für sehr unterschiedliche Altersgruppen

Ein Blick auf Schönes Arbeiten am Theater Hagen zeigt, wie weit das Altersspektrum des LUTZ reicht.

„Zauberwort oder Wie aus Buchstaben ein ganzes Universum entstehen kann“ ist beispielsweise ein von Schöne und dem Ensemble entwickeltes musikalisches Theaterstück für Kinder ab vier Jahren. Es beschäftigt sich spielerisch mit Buchstaben, Wörtern und Sprache; Schöne zeichnet für Text und Inszenierung verantwortlich.

Bei „Anders oder Once upon a time in my head“ geht es dagegen um psychische Gesundheit und unterschiedliche Wahrnehmungswelten. Die Tanztheaterproduktion von Noemi Emanuela Martone und Anja Schöne richtet sich an ein Publikum ab 13 Jahren. Schöne übernahm Text und Inszenierung.

Auch größere Familienstoffe gehören zu ihrer Arbeit. Beim Hagener „Aladin“ verantwortete sie Text und Inszenierung; die Produktion verband Schauspiel mit Musik, Choreografie und einer Märchenband.

Die Werkstatistik des Deutschen Bühnenvereins dokumentiert zudem mehrere Arbeiten Schönes als Autorin am Theater Hagen. In der Spielzeit 2023/24 wurden unter anderem „Junis Farben“ und „Sausewind“ aufgeführt; bei beiden Produktionen führte sie auch Regie.

„Fotoalbum“: Demokratie, Erinnerung und die Macht von Bildern

Zu den überregional beachteten jüngeren Arbeiten gehört „Fotoalbum oder Bilder, die die Welt bedeuten können“, eine partizipative Theaterperformance über Demokratie von Anja Schöne und Ensemble.

Die Produktion verbindet Elemente einer Ausstellung, einer Lesung und einer Theatervorstellung. Ausgangspunkt sind Passagen aus Liz Kesslers Roman „Als die Welt uns gehörte“. Darin wird die Freundschaft dreier Kinder in Wien durch die nationalsozialistische Herrschaft auseinandergerissen. Das Hagener Projekt verknüpft diesen historischen Stoff mit Geschichten aus Gegenwart und Stadtgeschichte und fragt danach, wie Bilder Erinnerungen und Meinungen beeinflussen.

Das Stück richtet sich insbesondere an Jugendliche ab 13 Jahren. Schöne führte Regie; die Produktion arbeitet ausdrücklich mit der Beteiligung des Publikums.

Einladung zum WESTWIND Festival 2026

„Fotoalbum“ wurde für das WESTWIND Festival 2026 in Münster ausgewählt und gehörte dort zum Wettbewerb. Das Festivalprogramm führte Aufführungen des LUTZ Hagen am 31. Mai und 1. Juni 2026 im Theater Münster.

Die Festivalbeschreibung würdigte insbesondere die Verbindung von Schauspiel und konsequenter Einbindung des Publikums und charakterisierte die Produktion als gemeinsamen Erinnerungs- und Erfahrungsraum für Empathie und demokratische Werte.

Dabei ist eine Abgrenzung wichtig: Die Produktion war zum Wettbewerb eingeladen, erhielt aber keinen der drei WESTWIND-Preise 2026. Die Auszeichnungen der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenjurys gingen an andere Produktionen.

Die WESTWIND-Einladung 2026 war zudem kein erstmaliger Festivalkontakt für Schönes Arbeit: Bereits 2024 gehörte ihre Inszenierung „Burak oder das rote Rauschen“ vom LUTZ Hagen zu den zehn für WESTWIND ausgewählten Produktionen.

„Wazn Teez?“: Eine ungewöhnliche Übersetzungsaufgabe

Schönes Name begegnet Leserinnen und Lesern auch außerhalb des Theaters. Gemeinsam mit dem Autor und Kabarettisten Jess Jochimsen übertrug sie Carson Ellis’ Bilderbuch „Du Iz Tak?“ für die deutschsprachige Ausgabe. Diese erschien unter dem Titel „Wazn Teez?“ bei NordSüd.

„Übersetzung“ ist hier allerdings ein ungewöhnlicher Begriff: Die Figuren des Buches sprechen bereits im Original eine erfundene Insektensprache. Die deutsche Fassung konnte deshalb nicht einfach Wörter aus einer Ausgangssprache durch deutsche Entsprechungen ersetzen.

Jochimsen und Schöne mussten eine neue Fantasiesprache entwickeln, deren Laute, Wortformen und Satzstrukturen für deutschsprachige Leserinnen und Leser intuitiv verständlich bleiben. Der Arbeitskreis für Jugendliteratur hob ausdrücklich hervor, wie die Übertragung mit Sprachstruktur und Morphologie arbeitet, sodass sich die Bedeutung der erfundenen Wörter aus ihrem Zusammenhang erschließen lässt.

2018 wurde „Wazn Teez?“ in der Kategorie Bilderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Die deutsche Sprachfassung wirkt bis heute weiter: Auch das am Theater an der Parkaue gespielte Insekten-Musical nach Ellis’ Bilderbuch nennt ausdrücklich die Übertragung von Jess Jochimsen und Anja Schöne als Grundlage.

Literaturpreis für „Septembermädchen“

Neben Theaterstücken und der Bilderbuchübertragung hat Schöne auch Prosa veröffentlicht beziehungsweise für Literaturwettbewerbe geschrieben.

Im Jahr 2011 erreichte sie mit „Septembermädchen“ beim Moerser Literaturpreis den 3. Platz. Das offizielle Archiv der Moerser Gesellschaft führt Frank Karner auf Platz eins, Ronald Pacholski auf Platz zwei und Anja Schöne auf Platz drei.

Diese Präzisierung ist relevant, weil einzelne Kurzbiografien lediglich davon sprechen, Schöne habe den „Moerser Literaturpreis“ erhalten. Das Preisarchiv erlaubt die genauere Einordnung: Ausgezeichnet wurde „Septembermädchen“ 2011 mit dem dritten Preis.

Was macht Anja Schönes Theaterarbeit aus?

Aus dem dokumentierten Repertoire lässt sich ein wiederkehrendes Prinzip erkennen: Schöne arbeitet häufig nicht mit einer strikten Trennung zwischen Autorin, Regisseurin und Vermittlerin.

Produktionen entstehen teilweise als Stückentwicklungen oder gemeinsam mit Ensembles. Musik, Tanz, Schauspiel und Publikumsbeteiligung werden miteinander verbunden. Bei anderen Arbeiten werden bekannte literarische Stoffe neu bearbeitet.

Auch die Zielgruppen unterscheiden sich erheblich. Während Produktionen wie „Zauberwort“ bereits Kinder im Vorschulalter ansprechen, behandeln Stücke für Jugendliche Themen wie psychische Gesundheit, Demokratie, Erinnerung oder gesellschaftliche Konflikte.

Das entspricht der programmatischen Ausrichtung des LUTZ: Der Arbeitskreis Theater für junges Publikum NRW beschreibt die Sparte als interdisziplinär, intergenerativ, integrativ und partizipativ ausgerichtet.

Woran arbeitet Anja Schöne in der Spielzeit 2026/27?

Schöne bleibt auch in der Spielzeit 2026/27 Leiterin des LUTZ; die aktuelle Teamseite des Theater Hagen führt sie weiterhin in dieser Funktion.

Das offizielle Spielzeitheft 2026/27 dokumentiert außerdem die Fortsetzung mehrerer künstlerischer Arbeiten. Dazu gehört „sternenstaub“, ein Theatererlebnis mit Musik von Anja Schöne und Anne Schröder für sehr junge Zuschauerinnen und Zuschauer. Schöne führt Regie; die Wiederaufnahme ist für den 25. Oktober 2026 angegeben.

Auch „Fotoalbum“ bleibt im Programm: Das Spielzeitheft nennt eine Wiederaufnahme am 5. November 2026 und verweist ausdrücklich auf die Einladung zum WESTWIND Festival 2026.

Damit lässt sich Schönes Arbeit besonders gut als Verbindung von Kinder- und Jugendtheater, Autorenschaft, Regie, kultureller Bildung und Beteiligung des Publikums beschreiben. Gerade diese Kombination zieht sich von ihren frühen Theaterprojekten mit Schulen bis zu den aktuellen Produktionen des LUTZ.

Quellen

Die wichtigsten Angaben dieses Artikels stützen sich auf Primärquellen und institutionelle Fachquellen:

siehe auch : Katarina Millowitsch: Was über Willy Millowitschs älteste Tochter belegt ist

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